Montag, 4. Juli 2016

[REZENSION] Weil ich so bin ~ Christine Fehèr

  



Jona kann nicht sagen, ob er ein Junge oder ein Mädchen ist, denn er wurde mit beiden Geschlechtsmerkmalen geboren. Von seinen Eltern als Junge erzogen, fühlt er sich von klein auf ebenso sehr als Mädchen. Heute, mit 15, schlüpft Jona immer noch gerne in seine weibliche Rolle, schminkt sich und geht mit seiner besten Freundin Mia Klamotten kaufen. In der Schule wird er für sein Auftreten oft angefeindet, aber auch bewundert. Als sich Jona in den angesagten Leon verliebt, bringt das nicht nur ihn ziemlich durcheinander…
(Textquelle: amazon.de)


Auf dem Cover sieht man einen jungen Mann und erst beim genaueren Hinsehen, erkannte ich Lippenstift auf seinem Mund. Ich fragte mich, um was es sich handeln könnte und lag mit meiner Vorahnung annähernd richtig.
Der Schriftzug ist sehr neutral, hat aber kleinere Clippings, die einen weiteren Hinweis auf den Inhalt geben. Eine beeindruckende Gestaltung, die den Inhalt widerspiegelt und real auf mich wirkt.


"Ein Prachtbaby haben sie da bekommen, sagte die Hebamme zu Sandra und hüllte das Neugeborene schnell in ein vorgewärmtes Handtuch."



"Weil ich so bin" von Christine Feher ist mein zweites Buch, was ich von der Autorin gelesen habe und bei der es sich um eine authentische Geschichte handelt. Auch hier hat mich die Schriftstellerin wieder gepackt und in ein mir bisher unbekanntes Terrain geführt.

Als Jona/Joana geboren wurde, war schnell klar, dass sie kein normales Kind ist. Sie/Er ist ein Hermaphrodit, wovon es nur ca. 80.000 Menschen in Deutschland gibt. Jona hat weibliche, als auch männliche Geschlechtsorgane. Die Eltern entscheiden sich gegen eine Operation und überlassen es ihrem Kind, sich zu entscheiden, als was es gerne Leben möchte. Dass es Schwierigkeiten mit sich bringt, ist allen bekannt. Wie wird Jona/Joana sich entscheiden und wie geht ihre Außenwelt damit um?

Diese Geschichte dreht sich um das Thema Hermaphroditen, was ich bisher nicht unter diesem Wortlaut und der körperlichen Form kannte. Ich wurde durch die Autorin sanft in die Thematik herangeführt und war emotional mit dem Protagonisten eins. Ich konnte die Gefühle und Gedanken spüren und war sehr beeindruckt von der Stärke des Charakters. Joana/Jona hat nicht nur Freunde um sich herum, sondern auch solche, die sich über sie lustig machen. Sie wird gemobbt und nicht zu knapp.

Der Schreibstil von Christine Feher ist sehr lebendig und ergreifend. Sie regte mich zum Nachdenken an. Menschen und besonders Kinder können grausam sein, sobald sie merken, dass jemand nicht so ist, wie sie selbst. Die Autorin stellt sehr gut dar, wie sich der Betroffene fühlt und wie "falsch" sich manch andere Leute benehmen und was sie damit anrichten. Jona lässt sich nicht unterkriegen und lebt so, wie sie es für richtig hält.

"Weil ich so bin" von Christine Feher ist nur ein kleines Büchlein, doch hat die Geschichte dahinter einen weiten Horizont, der mich zum Nachdenken brachte. Eine wunderbare Geschichte über Familie & Freundschaft, starker Persönlichkeit und der Suche nach sich selbst. ~ authentisch ~ mitfühlend ~ nachhaltig 


5,0 von 5 Blumen 

© Volker Bredenberg

Christine Fehér, geboren 1965 in Berlin, arbeitet als Lehrerin und schreibt nebenbei seit Jahren erfolgreiche Kinder- und Jugendbücher. Dabei hat sie sich besonders als Autorin authentischer Themenbücher einen Namen gemacht.
(Textquelle: amazon.de)


 © 2016 Katis-Buecherwelt
© Cover: CARLSEN Verlag;
© Autorenfoto: siehe Angaben
*Preise z. Zt. der Veröffentlichung